Dr. Dr. Adolf von Grolman Teil 1
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Thomas Mann schrieb unter den folgenden Datumsangaben Briefe und Karten an Adolf von Grolman




Briefe   10.07.1914
            28.06.1914
            10.09.1916*,**
            21.10.1916**
            31.10.1916*,**
            24.04.1917*,**
            20.03.1917**
            23.07.1917*,**
            03.08.1917
            02.11.1917**
            27.11.1917**
            28.12.1917**
            03.02.1918**
            26.03.1918**
            02.05.1918**
            21.05.1918**
            29.08.1918**
            20.10.1918**
            12.02.1919
           29.05.1919+*
            23.08.1919
            20.09.1927

kursive Daten stehen jeweils für eine Briefkarte, alle hier aufgeführten Briefe und Karten befinden sich im Besitz des Buddenbrookhauses mit einer Ausnahme. Die mit einem * versehenen Datum wurden vom S. Fischerverlag in Thomas Mann Briefe II 1923 Frankfurter Ausgabe 2004 veröffentlicht, die mit zwei ** versehenen Karten und Briefe in dem vom Buddenbrookhaus veröffentlichten Begleitband "Ihr sehr ergebener Thomas Mann" der mit einem + versehene Brief befindet sich im Thomas Mann Archiv, Zürich.


10.09.1916 an Adolf von Grolman, Reg.16/Ä78b S.646-648

Handschriftlicher Brief (Buddenbrookhaus Lübeck).

 

Sehr geehrter Herr]Der aus Karlsruhe stammende Adolf von Grolman (1888-1973), ein promovierter Jurist, gab 1916 seinen juristischen Beruf auf, um sich der Literatur zuzuwenden. Nach seiner Habilitation in Germanistik 1918 wurde er Privatdozent in Gießen; drei Jahre später ließ er sich in Karlsruhe nieder, wo er fortan als Privatgelehrter und Schriftsteller tätig war. Unter seinen literaturhistorischen Arbeiten: Adalbert Stifters Romane (Halle 1926); Kind und junger Mensch in der Dichtung der Gegenwart (Berlin 1930); Europäische Dichterprofile, 3 Bände (Düsseldorf 1947-1949). Der erste erhaltene Brief Thomas Manns an Grolman datiert vom 28. 6. 1914 (Reg.14/51a) Darin bedankt sich Thomas Mann für einen Brief Grolmans und bat ihn, „ein paar Skizzen zu schicken, die Sie für Ihre besten halten“.Die übersandten Arbeitsproben enthielten u. a. einen Roman, den Thomas Mann überaus kritisch beurteilte (vgl. nachfolgende Anmerkung). Der Briefwechsel setzte sich erst zwei Jahre später, im Herbst 1916 fort und währte bis Herbst 1927. Grolman war häufig bei Thomas Mann zu Besuch (vgl. Tb, 1918 bis 1921 und den Brief an Hans von Hülsen vom 18.3.1917). Nach dem Wegzug Grolmans nach Gießen wurde der Briefaustausch immer spärlicher. Anlässlich einer Lesung in Karlsruhe schreibt Thomas Mann an Grolman am 20.11.1927 lediglich (Reg. 27/196a):“Aber die Hand wird man sich ja jedenfalls drücken können.“Vgl. Rütten 2003.

3-4 unserer Korrespondenz von damals] Erhalten sind ein kurzer Dankbrief Thomas Manns vom 28.6.1914 und ein längerer Brief vom 10.7.1914. Darin äußerte sich Thomas Mann kritisch über die ihm zugesandten Arbeiten Grolmans (Reg. 14/55a):“Sie werden nicht überrascht sein, wenn [meine Meinung] vor allem dahin geht, dass die kleinen Sachen –von der Einsamkeit-wenn nicht absolut so doch vergleichsweise unbedeutend sind. In Betracht kommt der Roman, er hat mich sehr ernst und sympathisch angesprochen, vielleicht aus dem besonderen –Grunde, weil er so unverkennbar autobiograpphisches Gepräge trägt und weil ich zu den Lesern gehöre, die das Autobiographische den kunstvollsten  Fiktionen vorziehe. Ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich urteile, dass der Wert des Buches in seinem menschlichen Teil beruht, es ist anziehend durch seine zarten und distinguierten Bekenntniswerte. Von der künstlerischen Seite betrachtet, giebt es sich als das Produkt eines hochkultivierten und zart besaiteten Diletantismus, der mit Talent oder Untalent an sich noch gar nichts zu thun hat und über dessen Zukunft – wenn Sie Ihr Leben darauf stellen – zu entscheiden, in diesem Augenblick ganz unmöglich ist. Ob Schicksalsfähigkeit und mitteilende Leidenschaft ihn zu eigentlichem Dichtertum werden ausbilden können, wer will das sagen! Das ist eine innere Frage, die zu neantworten höchstens Ihnen selbst zukommt. Von der Verantwortung jedenfalls, Sie angesichts dieser Arbeiten aufzufordern, Ihren bürgerlichen Beruf zu verlassen und sich der Literatur in die Arme zu werfen, scheue ich für mein Teil zurück. Nicht als ob die Sachen nicht viel, viel besser wären, höher ständen, als Vieles, was gedruckt wird; und wenn Sie darauf aus sind, so wird man sie Ihnen gewiß gerne drucken. Aber so gut, dass sie unbedingt gedruckt werden müssten, sind sie nicht. Diese noch nicht. Was kommen kann, was Sie in sich haben, was Erlebnis und Liebe zur Kunst aus Ihnen werden machen können und was folglich Sie werden machen können – nochmals, das weiß ich nicht, und das kann heute niemand wissen.“

5  zu Ihrem Euntschluß] Grolman hatte im Juli 1916 seine juristische Tätigkeit definitiv aufgegeben und sich zu einem geisteswissenschaftlichen Zweitstudium entschlossen.

7  Ihres kritischen Aufsatzes]Adolf von Grolman: Eine Monographie über Thomas Mann. In: Pyramide, 7.9.1916 (in Thomas Manns Nachlass mit der Widmung „ehrerbietigst überreicht. Grolman 7. Sept. 1916.“ erhalten). Darin heißt es u. a. Ueberraschend ist auch der Vergleich des –Tod in Venedig- mit Goethes Wahlverwandtschaften in dieser – doch recht äußerlichen – Art und Weise. Allerdings liegt ein solcher Vergleich nahe und ist sehr interessant und


[An Adolf von Grolman]                                                                         München den 24. IV. 1917

 

Lieber Herr von Grolmann:

Ich erhielt Ihren Gang nach Emmaus vor einigen Tagen vom Verleger – in Ihrem Auftrage, wie ich fast annehme – und hätte Ihnen für die schöne, ernste Herzens- und Geistesgabe längst gedankt, wenn ich nicht seit meiner Rückkehr aus Mittenwald täglich Ihres telephonischen Anrufs gewärtig gewesen wäre, den meine Frau mir in Aussicht gestellt hatte. Ich dachte dann einen Nachmittag wieder einmal mit Ihnen festzusetzen, an dem wir zusammenkommen und über Ihre Arbeit sprechen könnten.

Es liegt mir ab solchem Gespräch, denn ich fand mich merkwürdig gut vorbereitet, das kleine Buch aufzunehmen, den Geist, die Lebensstimmung zu würdigen, woraus es hervorgegangen.

Sie wissen, dass diese Kriegszeit mich zu intensivstem Nachdenken über mich selber angehalten hat, - der Anlaß dieses Nachdenkens spricht vielleicht für seinen moralischen und einkehrhaften Charakter, durch den es sich von Selbstbespiegelung einigermaßen unterscheidet. Wenn ich mich frage, was Menschen Ihrer Art an und in meiner bisherigen Produktion gefunden haben, so muß ich mir antworten, es ist das ethische Element darin, als welches aller mitgehenden Artistik ungeachtet niemals gestatten wird, mich unter die Aestheten zu rechnen. Ich habe das eigentlich immer gewusst, intellektuell nach allen Seiten hin klar geworden ist es mir erst jetzt und die Erkenntnis ist mir wert und wichtig. Ich hörte kürzlich zum zweiten Male die Matthäus-Passion – ich kann nicht sagen mit welcher intimen Ergriffenheit, mit welchem Gefühle seelischen Zuhauseseins. Ich erinnere mich, dass der junge Nietzsche sie in Basel in einer Charwoche 3mal hinter einander hörte, und der Briefsatz klang mir im Ohr, den er um jene Zeit an Rohde schrieb (‚und der mir, als ich ihn vor vielen Jahren zum ersten Mal las sofort entscheidenden und unzerstörbaren Eindruck machte): „Mir behagt an Wagner, was mir an Schopenhauer behagt: Die ethische Luft, der faustische Duft, Kreuz, Tod und Gruft. „Er hat dieses Behagen“, das er freilich zur furchtbarsten Tragödie der Geistesgeschichte entwickelte, nie verlernt, und seine letzte Unterschrift unter jenen Wahnsinnszettel an Brandes lautete; „Der Gekreuzigte“. Sie haben da aber in einem Satz von echt Nietzsche’scher Musikalität jene Neigung und Stimmung zusammengefasst, die die Grundneigung und –stimmung auch meines Lebens und der Kern meiner Liebe und Zöglingsdankbarkeit für jenes „Dreigestirn“ ist. Wo ich sie finde und fühle, bin ich zu Haus. Ist eine nordisch-protestantisch-ethisch-dürerische Atmosphäre etwa, in der das Griffelewerk „Ritter, Tod und Teufel steht . . .

Nietzsche stammte aus einem protestantischen Pfarrhause. Wagner endete beim „Charfreitags-Zauber“. Und wenn der moderne Protestantismus geneigt scheint, das Religiöse über dem Ethnischen zu vernachlässigen, so finde ich nachgerade, allmählich und ohne im Geringsten stürmisch vorzugehen, Grund mich zu fragen, ob in gewissen Fällen das Ethnische nicht ein Weg – zur Religion sein könnte.

Das führt sehr weit. Ich wollte mit diesen fragmentarischen Sätzen nichts, als Ihnen andeuten, inwiefern Ihr Büchlein mich bereit und empfänglich fand. Ich habe es mit Rührung gelesen. Sie werden das Oratorium selbst komponieren? Ich wünsche Ihnen Künstlerkraft dazu! – Aber wir sprechen weiter darüber, wenn Sie einmal bei uns sind.

Mit besten Grüßen der Ihre

                                                                                                                      Thomas Mann





25  [An Adolf von Grolman]                                                                                   Tölz den 23. VII. 1917

Lieber Herr von Grolmann,

            ich schicke das kritische kleine Manuskript mit vielem Dank zurück. Der arme M. kann ja im Grabe von Glück sagen, dass es nicht erschienen ist. Mein Gott Sie waren zu streng. Das Buch war fürchterlich unreif /ich meine „Tag und Nacht“), aber als Dokument weder unsympathisch noch auch ganz uninteressant, Ich sage „war“ denn im Präsens kann man ja schon nicht mehr davon reden “Heimkehr“ freilich opfere ich Ihnen völlig. Ich habe dem jungen Menschen meine sehr geringe Meinung darüber seinerzeit nicht verschwiegen.

            Chamberlains politische Kampfschrift, der man als solcher aus ihrer Tendenzfrömmigkeit doch keinen Vorwurf machen dard, habe ich nur darum mit einer gewissen Genugthuung gelesen, weil sie gute Argumente gegen die Demokratie produziert und reproduziert, und weil das meinem geistigen Gerechtigkeitssinn angenehm ist, der sich gereizt und beleidigt fühlt dadurch, dass man die Demokratie heute zum geistigen Dogma zu machen sucht.

            Nochmals möge Ihre Erholung gute Fortschritte machen!

                                                                                                                      Ihr

                                                                                                                      Thomas Mann

Aber was vergesse ich Ihnen zu erzählen! Den Ausgang „unseres Prozesses! Nun was meinen Sie? Das Mädchen ist freigesprochen worden. In erster Instanz! Wie ich grimmig hinzufüge. Denn schon am folgenden Morgen kam der Amtsanwalt, ein blutiger Praktikant, der ohnmächtig gegen den jüdischen Verteidiger, einen sozialdemokratischen Abgeordneten, gewesen war, zu uns, um unsere Einwilligung zu erwirken, dass er die Sache vors Landgericht bringe. Es wird Monate dauern, aber wir sind einverstanden und werden diesmal die Sache ernster behandeln. Das Mädchen ist ein glänzender Typus, zum Erfolg im Gerichtssaal wie geschaffen, aber eine ungewöhnlich freche und niederträchtige Person, die ihre Lektion bekommen muß, oder die Justiz hat es auf immer mit mir verdorben.









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