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Vergesellschaftung (Verpaarung) von Papageien

Wenn wir – aus welchen Gründen auch immer - nur einen Papagei oder Sittich haben, sollten wir ihm möglichst bald einen Partnervogel der gleichen Art hinzugesellen, denn wir Menschen können einem Vogel niemals den Partner ersetzen. Die Haltung als Einzelvogel darf nur die ganz große Ausnahme bleiben, etwa wenn es sich um einen Vogel handelt, der schon sehr viele Jahre einzeln gehalten wurde und bei dem schon mehrere Vergesellschaftungsversuche gescheitert sind.

Der zweite Vogel sollte von der gleichen Art sein

Die Vergesellschaftung mit Vögeln anderer Arten ist keine ideale Lösung, da Verhaltensweisen, Laut- und Körpersprache von Art zu Art sehr unterschiedlich sind und von Artfremden deshalb nicht immer richtig verstanden werden. Haben Sie schon mal gesehen, dass sich ein Spatz mit einer Meise "unterhält"? Nein? Warum sollte es dann ein Graupapagei mit einer Amazone tun?

Der zweite Vogel sollte das Gegengeschlecht haben

In der Regel ist es sinnvoll, einen gegengeschlechtlichen Vogel dazuzusetzen, da sich auch in der Natur normalerweise Paare aus Hahn und Henne zusammenfinden. Kennt man das Geschlecht seines Vogels nicht, kann man es anhand einer Feder mittels DNA-Analyse bestimmen lassen. Dies geschieht über den Postweg. Die Kosten (ca. 20 Euro) und die genaue Vorgehensweise sind bei den Labors zu erfragen. Eine Liste von in Frage kommenden Labors finden Sie im Internet unter www.vogel-faq.de

Der zweite Vogel sollte im ähnlichen Alter sein

Ein geschlechtsreifer Vogel kann mit einem Jungvogel nicht viel anfangen und reagiert auf dessen jugendlichen Übermut mitunter gereizt. Andersherum kann ein geschlechtsreifes Tier sehr aggressiv seinem noch kindlichen Partner nachstellen. Dies trifft natürlich auf Papageien und Großsittiche stärker zu als auf die schnell erwachsen werdenden Wellensittiche.

Vergesellschaftung – Verpaarung?

Wir reden bei der Zusammenführung von Papageien vorzugsweise von "Vergesellschaftung" anstatt von "Verpaarung", da sich ein echtes Paar im Sinne einer festen Emotional- und Sexualgemeinschaft oft erst nach einiger Zeit bildet.

Wie könnte eine Vergesellschaftung, bzw. Verpaarung ablaufen?

Nach diesen Vorüberlegungen steht der Suche nach dem geeigneten Partnervogel nichts mehr im Weg. Wird ein Jungvogel gesucht, so sollte dieser von einem heimischen Züchter erworben werden. Bei schon älteren Vögeln muss man nach Abgabetieren Ausschau halten. Sie werden in entsprechenden Rubriken in Fachzeitschriften, in Zeitungen und im Internet angeboten. Bitte achten Sie auf seriöse Offerten!

Haben wir uns schließlich entschieden, so sollte der Neuzugang unbedingt einer Eingangsuntersuchung durch einen vogelkundigen Tierarzt unterzogen werden, denn auch ein gesund aussehender Vogel kann eine ansteckende Krankheit in sich tragen. Streng genommen ist sogar eine mehrwöchige Quarantäne erforderlich, da manche Krankheiten erst nach Wochen in Erscheinung treten.

Der zweite Käfig (die Voliere) steht selbstverständlich schon bezugsfertig bereit, bevor der "Neue" kommt. Hat die tierärztliche Untersuchung keine Auffälligkeiten ergeben, können wir die Käfige/Volieren der beiden Vögel mit kleinem Abstand nebeneinander stellen.

Günstig ist es, wenn in beiden Volieren die Sitzäste (zumindest die oberen) gleich hoch angebracht werden. Dadurch braucht sich keiner der beiden Bewohner dem anderen unterlegen zu fühlen.

Zur Eingewöhnung lässt man jeden der beiden Papageien zunächst in seinem Käfig. Der Neue braucht 2-3 Tage Ruhe, um sich ein wenig einzuleben. Wenn man freilich sieht, dass sie unbedingt zueinander wollen, so sollte man sie nicht daran hindern. Man muss die Tiere beobachten, denn bei manchen Arten ist es nötig, sie viele Wochen getrennt zu halten, bis sie von sich aus mit einer Kontaktaufnahme beginnen. Dies kann sich z.B. im synchronen Verhalten ausdrücken: Geht einer fressen, tut es auch der andere, putzt sich der eine, fängt auch der andere an. Vielleicht sitzen sie auch so dicht wie möglich nebeneinander in ihren beiden Volieren und schlafen und dösen gemeinsam.

Hat man sich entschlossen, die beiden Vögel nun auch ohne trennende Gitter miteinander bekannt zu machen, sollte der erste Kontakt im Freiflug stattfinden. Bei Großpapageien empfiehlt es sich, ein Handtuch bereitzuhalten. Falls es zu einem Kampf kommt, wirft man es über die ineinander verkrallten Vögel und versucht, einen von ihnen mit dem Handtuch zu greifen.

Wenn alles ohne gefährliche Aggression angelaufen ist, können wir jetzt daran denken, das gemeinsame Vogelheim einzurichten. Gewöhnlich wird der Neue in die Voliere des Erstvogels umsiedeln, weil diese in den meisten Haushalten größer sein wird als der Eingewöhnungskäfig. Dazu gestalten wir die Voliere mit neuen Ästen um, damit der Heimvorteil des alteingesessenen Vogels möglichst gering ausfällt. Futter- und Wassernäpfe sollten doppelt vorhanden sein. Größere Papageien mit einem ausgeprägten Revierverhalten müssen in der gemeinsamen Voliere oft erst die Frage nach Dein und Mein klären, bevor sie zu einem harmonischen Miteinander finden. Dies kann gelegentlich sehr temperamentvoll ausfallen.

Nun ist es meistens sinnvoll, sich von den Vögeln zurückzuziehen, um ihnen Zeit zu geben, sich ungestört, das heißt ohne Ablenkung durch die Bezugsperson(en), aneinander zu gewöhnen. Zunächst wird man sie nur kurze Zeit allein lassen und in Hörweite bleiben. Wenn es zu keinen bösen Anfeindungen kommt, werden die Zeiträume, in denen die Vögel unter sich sind, verlängert. Ziel ist es, die Vögel von den Bezugspersonen zu entwöhnen, damit sie untereinander Sozialkontakte aufbauen können und keiner von beiden mehr im Menschen den Partnerersatz sieht, sondern nur noch ein liebes und gern gesehenes Mitglied seines Vogelalltags. Wir Menschen behalten unseren Platz im Leben unseres Papageienpärchens – nur die Gewichtung wird sich ändern.

Generell sollte man beide Papageien stets gleich behandeln, also immer gleichzeitig Leckerli, Zuwendung, Aufmerksamkeit schenken, immer beide Tiere gemeinsam ansprechen und beachten. Dabei muss der Vogel mit Heimrecht lernen, dass ihm der Neue nichts wegnimmt, sondern dass er trotz „Konkurrenz“ die Liebe und Zuwendung seiner Bezugsperson behält.

Natürlich gibt es für das Vorgehen bei einer Vergesellschaftung keine Pauschallösung - Papageien sind nun mal große Individualisten

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass eine Vergesellschaftung unter Umständen einige bis viele Wochen, zuweilen auch Monate, dauern kann, und manchmal klappt sie leider auch gar nicht. Dennoch kommt es erfreulicherweise häufig spontan zu positiven Kontakten zwischen zwei fremden Papageien oder Sittichen. Bei echten Schwarmvögeln, wie Wellensittichen und Nymphensittichen, gestaltet sich die Zusammenführung in der Regel problemlos.

Es lohnt sich auf jeden Fall, einen solchen Versuch der Zusammenführung zu wagen und auch nicht gleich aufzugeben, falls es den Anschein hat, die Vögel würden nie miteinander warm werden. Wenn sich eine Vergesellschaftung erst mal als erfolgreich erwiesen hat, profitieren nicht nur die Vögel davon, sondern auch deren Halter – auf ganzer Linie!

In denjenigen seltenen Fällen, in denen eine Vergesellschaftung wirklich gar nicht klappen will, wäre zu überlegen, ob die Vögel statt gemeinsam in einer Voliere langfristig auch in getrennten Unterkünften nebeneinander leben könnten, oder ob eine endgültige Trennung wirklich unumgänglich ist. Unfair wäre es allerdings, wenn nach einem gescheiterten Versuch nicht noch ein neuer unternommen würde. Denn es ist halt nun mal bei einigen Vögeln genauso wie bei uns Menschen: Nicht immer ist der erstbeste Partner gleich der richtige.

Doch bei allem Bemühen, eine glückliche Partnerschaft zu ermöglichen, sollten wir nicht leichtfertig vorgehen. Für jeden Vogel ist ein Umzug in eine neue Umgebung Stress. Aber jeder Papagei hat das Recht auf eine schöne und bleibende Heimat. Wir sind also dafür verantwortlich, dass wir keine Wandervögel produzieren, weil wir vielleicht zu unbedacht immer neue Partnerkombinationen ausprobieren, ohne den Vögeln jene Zeit zu lassen, die sie brauchen, um ihre Zuneigung zu entwickeln.

Bitte nehmen Sie Kontakt mit  Vogelhaltern auf, und lassen Sie sich beraten – Vogelforen im Internet bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.

 



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