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ein Bericht von Carina Anthonj, Dr. Gerd Britsch und Dr. Marcellus Bürkle (www.ziervogel-exotenpraxis.de/)
Viele
Halter von Papageien-oder Sittichpaaren hoffen auf Nachzuchterfolge,
die sich oftmals aber nicht einstellen. Gerade bei Spezies, die in der
Natur bedroht sind, ist es immens wichtig den Ursachen von
Fruchtbarkeitsstörungen nachzugehen, mit dem Ziel, diese Ursachen nach
Möglichkeit abzustellen und zu beseitigen, um erfolgreich züchten und
zum Arterhalt beitragen zu können.
Die Entwicklung der Geschlechtsorgane
Die
Geschlechtsorgane von Vögeln entwickeln sich aus verschiedenen Anlagen
innerhalb des Embryos. Bereits in den ersten Bebrütungstagen bilden sich
primitive Gonadenanlagen aus, die zunächst bei beiden Geschlechtern
gleichermaßen vorhanden sind und nicht geschlechts- spezifisch sind.
Etwa ab der Hälfte der Brutzeit differenzieren sich daraus das weibliche
bzw. das männliche Geschlecht, indem sich beim weiblichen Tier aus der
Rinde der Primitivanlage der Eierstock entwickelt, während beim
männlichen Tier aus dem Mark die Hoden entstehen.
Beim
weiblichen Vogel durchlaufen die Zellen des Eierstocks, aus denen reife
Eizellen entstehen sollen, eine Differenzierung mit drei
Teilungsphasen. Die ersten beiden Teilungsphasen sind bis zum Zeitpunkt
des Schlupfes, also schon innerhalb der Embryonalentwicklung
abgeschlossen. Dabei reifen die Zellen vor der ersten Teilung und
Verdopplung, während sie vor der zweiten Teilung an Größe gewinnen.
In
diesem Stadium verharrt der jugendliche Eierstock bis zur Pubertät. Die
Anzahl an Follikeln, die im Laufe der sexuell aktiven Phase eines
Vogels sprungreif werden können, ist zum Zeitpunkt des Schlupfes bereits
festgelegt. Die dritte Phase beginnt mit Einsetzen der Geschlechtsreife
und verläuft unter dem Einfluß von Sexualhormonen, die die Ausbildung
reifer, sprungfähiger Eizellen bewirken.
Der
Eierstock eines geschlechtsreifen, weiblichen Tieres enthält viele
Blutgefäße, die dieses Organ mit den notwendigen Nährstoffen versorgen,
sowie eine Fülle an Eifollikeln.
Je
nach sexuellem Aktivitätszustand befindet sich der Eierstock außerhalb
der Brutzeit im Ruhezustand, d.h. er enthält keine großen, sprungreifen
Follikel, während in der Fortpflanzungsperiode unter dem Einfluß von
Sexualhormonen der Eierstock aktiv ist und eine Vielzahl unterschiedlich
großer Follikel enthält.
Anatomische Gegebenheiten beim weiblichen Vogel
Weibliche
Vögel besitzen ein funktionstüchtiges, linkes Ovar und einen linken
Eileiter, wohingegen die rechte Seite zwar embryonal angelegt wird, sich
aber nicht fertig entwickelt, sondern unterentwickelt bleibt.
Ausnahmen hiervon stellt die Gattung Falconiformes,
sowie der braune Kiwi dar, bei denen der Eierstock auf beiden Seiten
voll entwickelt ist, allerdings nur der linke Eileiter vollständig
ausgebildet wird. Die genauen Gründe für diese einseitige Entwicklung
der Geschlechtsorgane sind immer noch nicht genau erforscht.
Der
linke Eierstock liegt beim Vogel tief in der Leibeshöhle und hat engen
Kontakt zum vorderen Nierenpol, sowie zum unteren Ende der linken Lunge
und manchmal zur rechten Nebenniere. Abhängig vom Gehalt an
Melanoblasten kann der Eileiter und der Eierstock bei einigen Spezies
auch dunkel gefärbt sein.
Die
Befruchtung der Eier findet im Eileiter statt. Die Schleimhaut des
Eileiters enthält im unteren Abschnitt kleine Vertiefungen, die als
Spermienspeicher fungieren. Somit ist es möglich, dass eine einmalige
Begattung ausreichende Mengen an Sperma zur Befruchtung sämtlicher, in
den nächsten Wochen der Eiablage in den Eileiter gelangende Eier
enthält.
Anatomische Gegebenheiten beim männlichen Tier
Die
Hoden von Vögeln besitzen eine bohnenähnliche Form und befinden sich
seitlich der großen, unteren Hohlvene innerhalb der Leibeshöhle. Sie
liegen in engem Kontakt zur Nebenniere, zur Lunge, sowie zum vorderen
Abschnitt der Niere.
Beide
Hoden sind umschlossen von dünnen Häuten. Das Bauchfell dient nicht nur
dem Schutz, sondern führt auch Nerven und Blutgefäße mit sich, die die
Hoden versorgen und innervieren. Größe, Farbe und Gefäßzeichnung der
Hoden sind abhängig vom Alter der Tiere, aber auch von der Spezies.
Eine
dunkle Färbung der Hoden ist auf einen hohen Gehalt an Melanoblasten
zurückzuführen und bei diversen Spezies, insbesondere bei weißen
Kakadus, als normal zu beurteilen.
Die
Größe und das Ausmaß der Hoden nimmt im Zustand sexueller Aktivität
deutlich zu. Dabei kann die Masse durchaus um das 300 bis 500 fache
ansteigen. Grund für diese Größen-und Massenzunahme ist eine deutlich
erhöhte Anzahl an Zellen im Hodengewebe, sowie eine Verlängerung der
Samenkanälchen.
Die
männlichen Tiere der meisten Vogelspezies besitzen keine äußerlich
sichtbaren Geschlechtsorgane, also keinen Penis. Einige Vertreter
allerdings besitzen ein penisähnliches Organ, das bezüglich des Aufbaus
zwei verschiedenen Typen zugeordnet werden kann.
Anseriformes
u.a. besitzen einen sog. Phallus, der direkt in die Kloake des
weiblichen Tieres eingeführt werden kann. Bei einigen Vertretern der
Gattung Galliformes existiert ebenfalls ein Phallus, dieser kann aber
nicht ausgefahren und dementsprechend auch nicht in die Kloake des
Weibchen eingeführt werden.
Papageien besitzen keinen Phallus, die Kopulation ist begleitet von einer Aufwölbung der Kloake, die als kleine Erhebung eine Papille enthält, aus der die Spermien in die Kloake des weiblichen Tieres überführt werden.
Steuerung der Fortpflanzungsaktivität in der Natur
Die
Fortpflanzung bei Vögeln wird in der Natur von verschiedenen
Umwelteinflüssen bestimmt. Zu diesen zählen das Klima mit Tageslicht-
länge, Temperatur und Luftfeuchtigkeit, das Futterangebot und
Nistmöglichkeiten. Innere Prozesse, wie die Bildung und Ausschüttung
wichtiger Sexualhormone werden vielfach durch diese äußeren Faktoren
beeinflusst und sorgen schließlich für die entscheidenden Entwicklungen
an den Geschlechtsorganen.
Sogenannte
biologische Uhren, die im Gehirn lokalisiert sind ( wahrscheinlich in
der sog. Zirbeldrüse), kontrollieren dabei die Ausschüttung von
Hormonen, die dann den Stoffwechsel, die Fortpflanzungsaktivität und das
Verhalten steuern.
Der
Tageslichtperiode kommt in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung zu,
weil eine zunehmende Lichtphase und Tageslänge von Nervenrezeptoren des
Vogels wahrgenommen werden. Insbesondere bei Tieren, die aus
Kontinenten stammen die dem Jahreszeitenrhythmus unterliegen, stellt
dies den ausschlaggebenden Stimulus für das Brutgeschäft dar.
Bei
anderen Vögeln ist in erster Linie der Beginn der Regenzeit für das
Einsetzen der Fortpflanzungsaktivität verantwortlich. In beiden Fällen
werden auf diese Schlüsselreize hin vermehrt Hormone in der
Hirnanhangsdrüse produziert, die ins Blut abgegeben werden und an den
Geschlechtsorganen wiederum dafür sorgen, dass von diesen eigene
Sexualhormone vermehrt gebildet werden, die dann wesentliche
Veränderungen an den Geschlechtsorganen hervorrufen und sie in einen
sexuell aktiven Zustand überführen. Beim weiblichen Tier werden dadurch
Follikel angebildet.
Der
sogenannte Primärfollikel stellt dabei die größte Eianlage dar und wird
als erster sprungreif werden. Weitere, kleinere Follikel sind
gleichzeitig in Anbildung.
Die
vermehrte Produktion von Hormonen verändert auch das Verhalten der
Tiere. Je nach Spezies kommt es in der Brutzeit zur Schwarmbildung,
Paarbildung und zum Territorialverhalten, es werden geeignete
Nistmöglichkeiten gesucht und vehement gegen Konkurrenten verteidigt.
Gründe für Fruchtbarkeitsstörungen in Menschenobhut
In
Menschenobhut gehaltene Vögel reagieren auf verschiedene
Umwelteinflüsse. Um die Tiere in Brutstimmung zu bringen müssen all
diejenigen Faktoren erfüllt werden, die auch in freier Natur zum
einsetzen der Fortpflanzungsaktivität beitragen. Sind einer oder mehrere
Schlüsselreize nicht erfüllt, so kann das Brutgeschäft ausbleiben.
Die
medizinischen Gründe für Fortpflanzungsstörungen sind mannigfaltig.
Krankheitskomplexe die nicht den Geschlechtsapparat speziell betreffen,
können ebenso negativ auf die Fruchtbarkeit einwirken wie Erkrankungen
der Geschlechtsorgane selbst.
Eine häufig auftretende Ursache für Fruchtbarkeitsstörungen ist eine nicht optimale Kondition der Zuchttiere. Fettleibigkeit sollte durch optimale Fütterung außerhalb der Brutzeit vorgebeugt werden, die nur den Erhaltungsbedarf der Tiere deckt.
Zu den Allgemeinerkrankungen mit Auswirkung auf das Fortpflanzungsgeschehen zählen z.B. eine Infektion mit Chlamydophila, Infektionen durch Bakterien/ Viren/ Pilze im Magen-Darm-Trakt, Infektionen der Atemwege ( z.B. Aspergillose), andere organische Grundprobleme oder Tumorerkrankungen.
Die speziellen Erkrankungen der Geschlechtsorgane sollen nach weiblichem und männlichem Geschlecht getrennt erörtert werden.
Fruchtbarkeitsstörungen beim männlichen Tier
Hodenentzündung
Eine
Entzündung der Hoden kann als einzige Primärerkrankung oder in Folge
einer anderen Grunderkrankung auftreten. Sie kann nur einen Hoden
betreffen, aber auch beidseitig in Erscheinung treten.
Im
Hinblick auf die Erhaltung der Fruchtbarkeit stellt die Hodenentzündung
eine ernst zu nehmende Erkrankung dar, da sie je nach Verlauf auch zu
einer Sterilität des Tieres führen kann( insbesondere bei bakteriellen
Erregern).
Als bakterielle Erreger, die zu einer Entzündung der Hoden führen können, zählen häufig:
Ein anderer bakterieller Erreger, der im Rahmen einer Allgemeinerkrankung auch häufig zu einer Hodenentzündung führt ist Chlamydophila psittaci, der Erreger der Psittacose oder Papageienkrankheit.
Stellt
die Hodenentzündung eine Folgeerkrankung dar, so können insbesondere
eine Kloakenentzündung, Phallusprolaps oder eine generalisierte
bakterielle Entzündung (Septikämie) deren Ursache sein.
Die
Diagnose der Hodenentzündung ist nicht einfach, da klinische Anzeichen
im Anfangsstadium der Erkrankung oft nicht eindeutig zugeordnet werden
können. Allenfalls bei Zuchttieren fällt die Unfruchtbarkeit auf, dieser
Aspekt entfällt natürlich für Heimvögel.
Oft
ist die Diagnose " Hodenentzündung" ein Zufallsbefund im Rahmen einer
Endoskopie, die ursprünglich eines anderen Grundes wegen eingeleitet
wurde. Eine Hodenbiopsie kann die Diagnosestellung sinnvoll
unterstützen.
Eine
prompt eingeleitete und gezielte Therapie abhängig von der Ursache ist
für eine Regeneration unerlässlich, kann aber oftmals nicht mehr zur
Funktionstüchtigkeit des Organs beitragen.
Hodentumoren
Besonders
häufig betroffen von einer tumorösen Entartung der Hoden sind
Wellensittiche. Andere Arten erkranken seltener an Hodentumoren.
Der
Tumor kann all diejenigen Zellarten speziell betreffen, aus denen das
Hodengewebe zusammengesetzt ist. Der Sertolizelltumor stellt dabei eine
besondere Tumorart dar, da dieser in der Lage ist, weibliche
Geschlechtshormone zu produzieren. Diese Östrogene haben spezielle
Auswirkung auf die Mineralisierung von Knochengewebe, was
röntgenologisch darstellbar ist und einen Hinweis auf das Vorliegen
dieser Tumorerkrankung geben kann.
Das
diagnostische Vorgehen umfasst eine röntgenologische oder
sonographische Abklärung, gegebenenfalls auch eine Biopsieentnahme unter
Narkose.
Eine
Behandlung ist aufgrund der rasch einsetzenden Nebeneffekte jeder
Tumorerkrankung nur im Anfangsstadium anzuraten und bedeutet die
operative Entfernung des Hodens. Ansonsten können lebensverlängernde
Maßnahmen und Schmerztherapie dem Patienten eine gewisse Zeit lang
helfen.
Hodendegeneration
Eine
Degeneration ( Untergang von Hodengewebe) kann als Folge von
Mangelernährung, allgemeiner bakterieller Infektionen, Vitamin-E- Mangel
oder Intoxikationen ( z.B. Cadmium) auftreten.
Die Entwicklung funktionstüchtiger Samenzellen kann infolgedessen nicht erfolgen.
Möglicherweise
werden sogar Hodenzellen durch Bindegewebe ersetzt, so dass die
Entwicklung von Spermien permanent unterbleiben kann und das Tier damit
unfruchtbar ist.
Fruchtbarkeitsstörungen beim weiblichen Tier
Eierstockentzündung
Eine Entzündung des Ovars beim Vogel ist ein relativ häufig auftretendes Problem. Vor allem Bakterien wie Mycoplasmen und Chlamydien, aber auch Viren stellen dabei die ursächlichen Erreger dar.
Als Komplikation dieser Erkrankung kann es zu einer oft lebensgefährlichen Bauchfellentzündung
kommen. Die klinischen Anzeichen einer Eierstockentzündung sind wie so
oft nicht speziell hinweisend auf das Vorliegen genau dieser Krankheit,
sondern äußern sich in Form allgemeiner Symptome wie Apathie,
Futterverweigerung, Gewichtverlust, aufgetriebenes Abdomen oder
plötzlicher Tod.
Eine
diagnostische Abklärung kann in Form von Röntgen oder Endoskopie, sowie
unter Zuhilfenahme von Laboruntersuchungen wie Hämathologie( Bestimmung
der Entzündungszellen) und bakteriologisch/mykologischer Untersuchung
eines Kloakenabstriches erfolgen.
Eileiterentzündung
Eine
Eileiterentzündung kann als aufsteigende Infektion aus einer
Kloakenentzündung oder als Komplikation einer Legenot entstehen. In
bestimmten Fällen kann sie auch sekundär, also als Folge einer Pneumonie
( Lungenentzündung), Luftsackentzündung oder allgemeinen bakteriellen
Infektion (Septikämie) auftreten.
Die häufigsten Erreger von Eileiterentzündungen sind verschiedene Bakterien, zu denen u.a. Escherichia coli, Klebsiella, Salmonella, Pasteurella, Mycoplasmen, Chlamydophila, Staphylococcen oder Streptococcen
zählen können. Verschiedene Virusinfektionen können ebenfalls als
Erreger für das Zustandekommen dieser Erkrankung verantwortlich sein.
Die
Krankheitssymptome betroffener Tiere sind relativ unspezifisch, zu
ihnen zählen u.a. Apathie, Gewichtverlust, Unfruchtbarkeit, unnormal
geformte oder gefärbte Eier. Die Diagnosestellung erfolgt auf der
Grundlage der allgemeinen klinischen Untersuchung unter Zuhilfenahme von
Röntgen, Ultraschall sowie den labordiagnostischen Parametern der
Hämathologie ( Bestimmung der Entzündungszellen).
Eiperitonitis
Unter einer Eiperitonitis wird eine Bauchfellentzündung
verstanden, die infolge eines produzierten Eis entsteht. Eiinhalt (
Dotter, Eiweiß oder beide Anteile) gelangt dabei in die Bauchhöhle und
führt dort zu einer Entzündung des Bauchfells.
Sehr
häufig führen sog. "ektopische" Eier, d.h. Eier die sich nicht im
Eileiter sondern frei in der Bauchhöhle befinden, zu einer solchen
Eiperitonitis. In seltenen Fällen ist diese Bauchfellentzündung steril,
d.h. ohne Beteiligung von Erregern.
Bei
den allermeisten Patienten handelt es sich allerdings um einen
"septischen", das heißt durch Erreger infizierten Prozeß. Die Gefahr
besteht darin, dass aus einer Bauchfellentzündung schnell eine
Septikämie, also eine über das Blut verteilte allgemeine Infektion
entstehen kann, die oft einen rasant schnellen Verlauf nimmt und zum
Tode führt.
Unter
den als Hausvögeln gehaltenen Arten zählen insbesondere Wellensittiche,
Nymphensittiche und Agaporniden zu den am häufigsten betroffenen
Patienten. Die Tiere sind apathisch, verlieren an Körpergewicht, haben
eine oftmals pumpende, angestrengte Atmung und ein aufgetriebenes
Abdomen, das ggf. Flüssigkeit enthält (Bauchwassersucht).
Legenot
Als
eine Legenot wird bezeichnet, wenn ein legereifes Ei nicht innerhalb
der normalen Zeit abgelegt werden kann. Bei Papageien und Sittichen
beträgt der normale Abstand zwischen 2 zu legenden Eiern je nach Spezies
2-4 Tage.
Die
Legenot zählt zu den am häufigsten auftretenden Problemen, die im
Zusammenhang mit Fruchtbarkeitsstörungen auftreten können. Außerdem
handelt es sich dabei um einen der am häufigsten vorgestellten Notfälle
in der vogelmedizinisch ausgerichteten Praxis.
Zu
der Legenot wird auch das Problem des " Eiverhaltens" gezählt, bei dem
durch eine mechanische Behinderung im hinteren Abschnitt des Legedarms
das Ei nicht aus der Kloake austreten kann. Als Gründe für eine Legenot
kommen verschiedene Faktoren in Betracht wie unverhältnismäßig große
oder unnormal geformte Eier, zu dünne Eischale, Calciummangel ( sehr
häufig bei chronisch legenden Tieren), Funktionsstörung des Eileiters, Adipositas
( Fettleibigkeit), Verlagerung des Uterus, Tumoren, infektiöse
Erkrankungen der Geschlechtsorgane und genetisch bedingte Veranlagung.
Kleinere
Arten wie Finkenvögel, Kanarien, Wellensittiche etc. sind
überdurchschnittlich häufig betroffen. Die Diagnose wird gestellt anhand
der klinischen Allgemeinuntersuchung, Röntgen und ggf. Ultraschall.
Verdächtig sind in der Praxis vorgestellte weibliche Tiere mit
aufgetriebenem Abdomen und Preßverhalten im Kloakenbereich. Zusätzlich
können Lahmheiten der Gliedmaßen und erschwerte Atmung auftreten.
Die erforderliche Therapie ist ganz stark vom Allgemeinzustand des Patienten abhängig.
Ein
wichtiger Parameter in diesem Zusammenhang ist das Vermögen Kot
abzusetzen. Ist ein Patient dazu noch in der Lage und ist er vom
Allgemeinbefinden her noch stabil, so wird er mit Antibiotikum,
Infusion, Calcium und Vitaminen versorgt, warm und ruhig bei erhöhter
Luftfeuchtigkeit gesetzt und unter Beobachtung gestellt.
Sollte
das Ei dennoch nicht gelegt werden können, so folgen Hormongaben. Als
letzter Schritt steht immer die operative Entfernung des Eis unter
Narkose.
Ist
ein Patient jedoch nicht mehr in der Lage, Kot abzusetzen, so muß unter
entsprechender Stabilisierung mit Infusionen rasch der operative
Eingriff vorgenommen werden, um einer Anreicherung von Giftstoffen und
einem damit in Verbindung stehenden Organversagen insbesondere der
Nieren vorzubeugen.
Eileitervorfall
Einer
der häufigsten vogelmedizinischen Notfälle ist der Vorfall von
Eileitergewebe. Gründe dafür können Mangelernährung ( v.a. Calcium, Vitamin E, Selen), entzündliche Prozesse im Gewebe, dünnschalige oder auf andere Weise unnormal ausgebildete Eier sein.
Der
Vorfall kann im Rahmen normaler Legetätigkeit oder als Folge einer
Legenot auftreten und muß in jedem Fall unverzüglich behandelt werden.
Dazu gehören die antibiotische Abdeckung des Patienten sowie die Gabe
von Infusionen.
Das
vorgefallene Gewebe muß gereinigt und in die Leibeshöhle
zurückverlagert werden, gegebenenfalls muß die Kloake mit einer sog.
Tabaksbeutelnaht verschlossen werden, um einem erneuten Vorfall
vorzubeugen.
Die Fähigkeit Kot abzusetzen ist unbedingt zu kontrollieren.
Dauerlegen
Chronisches
Eier legen ist ein häufig auftretendes Problem insbesondere der als
Hausvögel gehaltenen Arten wie Wellensittiche, Nymphensittiche und
Agaporniden.
Zu
den begünstigend wirkenden Faktoren zählen unausgewogene, einseitige
und fetthaltige Ernährung, lange Lichtphasen bei Wohnungshaltung, das
Anbieten von Nisthöhlen, starke Bindung an nur eine Bezugsperson und
Streicheleinheiten in der Kloaken-oder Rückenregion.
Die
ständige, übertriebene Produktion von Eiern kann zu gravierenden
Mängeln und Imbalancen insbesondere im Calciumhaushalt führen. Die
therapeutischen Ansätze sind vielseitig und stützen sich zuerst auf den
Ausgleich von Mangelzuständen.
Prinzipiell
ist es wichtig, die ständige Produktion von Eiern zu unterbinden, wobei
auf die Neugestaltung und Verbesserung der Haltungsbedingungen ganz
besonders großen Wert zu legen ist.
An letzter therapeutischer Stelle stehen der Einsatz von Hormonen oder der chirurgische Eingriff ( Kastration).
Zystische Veränderungen
Eine
zystische Veränderung bedeutet eine Ansammlung von Flüssigkeit, die
sich in den meisten Fällen in Form einer Blase hervorhebt. Betroffen
sein können der Eileiter oder der Eierstock selbst.
Die
Gründe für derartige Veränderungen sind oftmals unbekannt,
Eierstockzysten können allerdings auf der Grundlage hormoneller
Imbalancen entstehen. Häufiger betroffen sind Wellensittiche und
Kakadus.
Als Symptome treten aufgetriebenes Abdomen, erschwerte Atmung, Bauchwassersucht und bei Paaren in der Brut Kopulationen mit Ausbleiben eines Geleges in Erscheinung.
Die Ultraschallsonographie kann Aufschluß über das Vorliegen zystischer Veränderungen geben.
In
therapeutischer Hinsicht muß der Inhalt der Zysten beseitigt werden,
meist in Form einer Punktion. Zusätzliche hormonelle Behandlungen können
einer Wiederansammlung von Flüssigkeit vorbeugen.
Tumoren
Tumoren
bei Vögeln sind selten. Unter den Papageienartigen zählen die
Wellensittiche zu der Spezies mit der größten Neigung zur Tumorbildung.
Im
Bereich der Geschlechtsorgane ist insbesondere der Eierstock, seltener
der Eileiter von einer tumorösen Entartung betroffen, wobei vor allem
Adenocarcinome oder Leiomyome auftreten.
Die
Symptome sind abhängig von der Größe des Tumors und können in Form
eines aufgetriebenen Abdomens, erschwerter Atmung oder Bauchwassersucht
in Erscheinung treten.
Die meist recht schwierige und riskante Therapie besteht in der chirurgischen Entfernung des betroffenen Gewebes.
Zusammenfassung
Das
Thema Fortpflanzungsstörungen bei Vögeln ist sehr komplex. Einige
Bereiche sind bei Vögeln bereits recht gut erforscht, allerdings
befindet sich die Vogelmedizin im Vergleich zum Säuger in diesem Bereich
nach wie vor in den Kinderschuhen. |